Ein Informationsbesuch von Dr. Natalie Pfau-Weller bei der PolyMedics Innovations GmbH in Kirchheim.

Die Medizintechnik spielt für den Standort Baden-Württemberg aus wirtschaftlicher und beschäftigungspolitischer Sicht eine überaus wichtige Rolle. Sie gilt als mögliche Leitbranche des 21. Jahrhunderts. Mit mehr als 600 Unternehmen ist der Südwesten bereits jetzt einer der europaweit führenden Standorte auf dem Gebiet der Medizintechnik. Die Stärke der baden-württembergischen Medizintechnikhersteller ist deren große Innovationskraft. Mitentscheidend für das internationale Renommee ist die enge und fruchtbare Zusammenarbeit mit hervorragend aufgestellten anwendungsnahen Forschungseinrichtungen.
Die baden-württembergische Regierung hat die Bedeutung der Branche als Innovationsmotor erkannt, aber wie schätzen Medizintechnik-Hersteller die Unterstützung der Landesregierung ein? Darüber tauschte sich die CDU-Landtagsabgeordnete Dr. Natalie Pfau-Weller vergangene Woche mit der Geschäftsleitung der PolyMedics Innovations GmbH, Prof. Dr. Heinrich Planck und Christian Planck aus.
Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse bilden für das Unternehmen PolyMedics Innovations GmbH (PMI) die Basis für ständige Innovationen zur Behandlung von Verletzungen der menschlichen Haut. Das Ergebnis kontinuierlicher Forschungsarbeit resultiert in einzigartigen Materialien und Behandlungskonzepten. „Diese Kompetenz bei der Heilbehandlung kommt Patienten, Ärzten und der Gesellschaft gleichermaßen zugute,“ so Prof. Dr. Planck.
PolyMedics Innovations hat innovative, synthetische Hautersatzmaterialien zur einmaligen Anwendung auf Brandwunden und übrigen Hautdefekten entwickelt. Diese Materialien beruhen auf einer patentierten Polymer-Technologie. Vorbild bei der Entwicklung der biologisch abbaubaren Membranen ist die gesunde menschliche Haut. Mit den Produkten Suprathel, Suprathel CW, Supra SDRM CW und BTM ist das Unternehmen Weltführer bei synthetischem Hautersatz und exportiert in 39 Länder. Die größten Wachstumschancen befinden sich in der Zwischenzeit allerdings außerhalb von Deutschland. Hier im Heimatmarkt müsse die Medizintechnik-Industrie gleich mehrere signifikante Herausforderungen überkommen, so Christian Planck. Zwar würden Forschung und Entwicklung von Land und Bund mitfinanziert, schwierig sei danach aber die Dauer und Unzuverlässigkeit bei der Zulassung. Extrem vielversprechende Ansätze zur Patientenbehandlung würden dadurch verzögert. „Universitäten sind zwar hoch kompetent, ihnen fehlen jedoch Ressourcen und finanzielle Mittel um KMUs bei der klinischen Forschung zu überschaubaren Konditionen zu unterstützen,“ so der Geschäftsführer. Ein weiteres Problem sei das Thema Erstattung, diese definiere aber, wie ein Patient behandelt wird. Prozesse, die im Ausland - vor allem in den USA viel einfacher seien. Die Medizintechnik-Hersteller warnen: „Die Forschung wird in Deutschland finanziert und die Zulassung erfolgt zunächst in den USA. Dies bedeutet, dass Technologien made in Germany zunächst den Patienten im Ausland zugutekommen werden“. Dieser Zustand sei nicht wünschenswert. Es ginge darum jetzt innovative Modelle für die Zukunft zu finden, dabei könne Europa viel von den USA lernen. Sie schlagen zum Beispiel Förderprogramme für klinische Studien; Rahmenverträge für Universitäten und Benannte Stellen – damit es für Unternehmen kalkulierbar sei, was auf sie zukommt; - klare Zeitlinien; Risksharing und einheitliche Anforderungen bei der Zulassung vor.
Auch die Umsetzung der europäischen Medizinprodukte-Regelung stelle die Unternehmen aktuell vor nicht zu unterschätzende Herausforderungen, so Christian Planck. „Mit dem verpflichtenden Inkrafttreten der EU-Regulierungen muss künftig auch für bereits zugelassene Medizintechnik- und Diagnostika-Produkte eine neue Zertifizierung beantragt werden. Doch eine ausreichende Anzahl mit ausreichenden Kapazitäten der dafür notwendigen Zulassungsstellen, sogenannte „Benannte Stellen“, fehlen“. Vielen wichtigen Produkten – sowohl Bestandsprodukten als auch neuen Produkten, – drohten damit große Hürden bei der Zertifizierung. „Wir befürchteten, dass viele Produkte nicht oder nicht rechtzeitig zertifiziert werden können. Damit besteht die Gefahr, dass für die Patientenversorgung notwendige Produkte vorübergehend oder dauerhaft nicht verfügbar sind,“ warnt Prof. Dr. Heinrich Planck und hofft gegebenenfalls auf Sonderzulassungen für die seit Jahren erfolgreichen und sicheren Produkte seines Unternehmens.
Für die CDU-Landtagsabgeordnete Dr. Natalie Pfau-Weller ist die Bedeutung der Medizintechnik als Innovationsmotor für Baden-Württemberg unumstritten. „Wir müssen die Wachstumspotentiale nutzen und ausufernde Bürokratie sowie eine Überforderung der Hersteller unbedingt vermeiden.“ Ein Verlust der internationalen Wettbewerbsfähigkeit, Innovationshemmnisse oder gar eine Abwanderung von Innovationen müssten zwingend verhindert werden, so Pfau-Weller. Die Politikerin versprach sich für die Belange der Medizintechnik-Unternehmen stark zu machen, um Baden-Württemberg zur Leitregion für innovative Medizintechnik der Zukunft weiterzuentwickeln.

« „Gemeinsam einzigartig“ Pressemitteilung DEULA bekommt nötige Finanzspritze vom Land »